Große Herausforderung: Überalterung meistern – Erste Workshop-Reihe future 50+ der IHK abgeschlossen
Branche: Öffentliche Verwaltung / Verbände / Vereine
Pressemitteilung von: IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg
Die Überalterung der Belegschaften stellt viele Unternehmen bereits heute vor große Herausforderungen. Nur wenige Chefs und Personalleiter wissen, wie man den unaufhaltsamen demografischen Wandel professionell, praktisch und strukturiert meistert. Einige Perspektiven, Anregungen und Lösungsansätze konnten die Teilnehmer der ersten Workshop-Reihe des IHK-Demografieprojekts future 50+ sammeln.
„Das sollte jedem Unternehmen heute bewusst sein: Wir können uns der Überalterung nicht mehr entziehen“, stellte Norbert Seifert, Ausbildungskoordinator der Laufenburger EnergieDienst AG, beim abschließenden future 50+ Seminar auf dem Hofgut Hohenkarpfen fest. „Unsere Mitarbeiter erwarten, dass wir uns etwas einfallen lassen“, so Norbert Seifert.
„Wir stehen ganz am Anfang“, berichtete Ivonne Lohner vom Villinger Magnetehersteller Kendrion Binder. „Es gibt noch keine Strukturen, kein zielgerichtetes Arbeiten mit dem Thema“, ergänzte Diana Glück vom Büromöbelzulieferer Konrad Merkt, Spaichingen. In der Personalentwicklung und -führung mangelt es an Erfahrung mit dem zu erwartenden hohen Altersdurchschnitt, bestätigen andere Workshop-Teilnehmer. Man müsse die Verantwortlichen dringend sensibilisieren. Konkrete, praktische Hilfen und Erfahrungsaustausch hätten die Workshops noch nicht bieten können. „Das Thema Demografie bzw. die Überalterung ist für alle Beteiligten noch Neuland“, weiß IHK-Demografiebeauftragte Renate Zährl aus Erfahrung.
Dagegen berichtete Demografie-Experte Prof. Dr. Lars Mitlacher von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen: „Überraschenderweise gehen einige Unternehmen schon sehr fortschrittlich damit um. Sie haben ihre Hausaufgaben bereits gemacht.“ Aber auch er stellte fest, dass die strukturierte Herangehensweise an den demografischen Wandel im Unternehmensalltag noch fehlt. Lösungsansätze brachte Prof. Mitlacher gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Erich Klaus in die Workshops ein. Damit künftige Betriebswirte und Personalverantwortliche diese Lösungswege beherrschen, bietet die Duale Hochschule ab Oktober den interdisziplinären Studiengang Demografie-Management an.
Als ersten Schritt empfiehlt Prof. Mitlacher den Unternehmen eine langfristig orientierte Analyse des Personalbestands, der Altersstruktur, Entlohnung, Berufsbilder und Qualifikationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit ließen sich Engpässe erkennen und Gegenmaßnahmen planen. Ein Beispiel: Oft werde erst durch diese Analyse deutlich, wie dramatisch die Lohnkosten steigen, wenn der Anteil älterer Mitarbeiter von Jahr zu Jahr zunimmt.
Prof. Mitlacher und Prof. Klaus raten, das Thema Demografie im Personalmanagement genauso wie in der Unternehmensstrategie fest zu verankern und dafür spezielle Ansprechpartner zu benennen. Nicht nur die Personalabteilung müsse sich mit den Bedürfnissen einer alternden Belegschaft befassen, sondern der ganze Betrieb sei zu sensibilisieren. Der Umgang mit Älteren sollte Teil der Unternehmenskultur werden. Im Führungsverhalten und in der Teambildung seien altersspezifische Anforderungen stärker zu berücksichtigen.
Auch die Karrierewege eines Unternehmens sind zu betrachten, so Prof. Mitlacher. Bei einer hierarchischen Ordnung können immer nur wenige ältere Beschäftigte aufsteigen. Bei einem hohen Altersdurchschnitt könnte ein Unternehmen andere Perspektiven als den klassischen Aufstieg anbieten, beispielsweise eine Karriere in Fachgebieten oder Projekten, so Prof. Mitlacher. Ebenso sollten Unternehmen auf individuelle Perspektiven und Lebensumstände, Gesundheitsfragen, Leistungsfähigkeit und Work-Life-Balance eingehen und auf die Weiterbildung im Alter achten. Die Workshop-Teilnehmer betonten darüber hinaus den Bedarf an flexiblen Arbeitszeiten, die bei Älteren wie auch bei Jüngeren eine große Rolle spielen.
Zahlreich „wertvolle Anregungen“, so Marianne Schäfer von Haugg Industriekühler aus Sulz wurden im Dialog zwischen den Workshop-Teilnehmern und den Demografie-Experten von der Dualen Hochschule gesammelt. Marianne Schäfer: „Wir haben gesehen, wie wichtig das Thema Demografie für uns alle wird. Damit ist auch klar, dass wir dafür ein Budget brauchen.“
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